"Was habt Ihr uns diesmal mitgebracht, Herr Aust?", war wohl eine Frage, die sich viele Gäste in der Schinkelkirche stellten. Schon einmal hatte der Leiter des Ensembles "brass of the moving image" in Kettwig mit einer Auffürung moderner Werke auf hohem musikalischem Niveau beeindruckt, auch irritiert.
Das erste Stück "Schiffe versenken", eine Komposition Austs, stellte Kläseners Bach-Ensemble vor eine interessante Herausforderung: Die Sänger spielten im Mittelgang der Kirche gegeneinander. Das einzige Kommunikationsmittel: ein akustisches Signal. Das Spiel begann und bald hallten in St. Peter Blubbergeräsche, abgehackte Töne und heisere Schreie wider. Das Ende des musikalischen Stimmen-Spiels markierte ein sonorer Gesamtton, den die Interpreten hielten.
Gemäß Austs Idee des Ausgleichs erklang Claudio Monteverdi im Anschluß und besänftigte die Nerven. Virtuos verflocht das Vokalensemble die Gasangslinien, es entstand der Eindruck von Homogenität. Während Baß und Tenor die "Drei Madrigale" mit samtigen Klang angingen, erhob sich der Sopran leicht und strahlend über die Tonlandschaft.
Mit Vykintas Baltakas "Widerschein" manövrierte das Bach-Ensemble noch enger am musikalischen Chaos entlang als beim "Schiffe versenken". Tonbandaufnahmen als Ergänzung sollten ein Zwiegespräch der Chöre ermöglichen. Gespalten wie die Interpratation war auch der Eindruck. Während zeitweise eine sehr dichte und bizarre Atmosphäre entstand, blieb Unübersichtlichkeit dennoch bestehen. Die Stimmen überlagerten sich oft, ließen eine genauere Unterscheidung nicht zu.
Am Ende zeigte sich das Publikum jedoch begeistert und forderte vehement Zugaben - die kamen wieder aus der melodischeren Musikrichtung.