Chor feiert erlesenes Fest der Vokalkunst

(WAZ, 10.12.1999) von Dirk Aschendorf

Bach-Ensemble singt Marienvesper

Rauschhafte Sinnlichkeit und innige Religiösität verbinden sich in Monteverdis "Marienvesper" zu fesselnder Symbiose. Das Kettwiger Bach-Ensemble zelebrierte mit der Aufführung in der evangelischen Kirche werden ein erlesenes Fest der Vokalkunst.

Der ständige Wechsel zwischen groß angelegten Chören, kunstvoll verzierten Soli und beinahe kammermusikalisch fragilen ensembles könnte dazu verleiten, sich im Detail zu verlieren. In seiner einstudierung von Monteverdis vielschichtiger Partitur, stilistisch angesiedelt an der Nahtstelle von der Renaissance zum Barock, erlag Wolfgang Kläsener dieser Gefahr nicht.

Ihm und seinem präzise vorbereiteten Chor gelang eine Aufführung wie aus einem Guss, die bis zum abschließenden Megnificat steigerungsfähig blieb. Überraschend die vokale Fülle, die das aus 30 Sängerinnen und Sängern bestehende Ensemble zu produzieren vermochte. Farbenreich und doch transparent in der Gestaltung kunstvoller Vielstimmigkeit, reagierte der Chor selbst auf kleinste Impulse flexibel und punktgenau.

Unter den Solisten ragten vor allem die Tenöre Max Ciolek und Tom Allen hervor. Die zwischen die Psalmen plazierten Concerti "Nigra sum" oder die "Duo Sraphim" gestalteten sie mit innerer Spannung, schöner Phrasierung und vor allem geschmackvollen Auszierungen.

Die Sopranistinnen Rita Bieliauskaite und Vera Mamleev sowie Christian Hilz und Christian Palm (Bass) rundeten die Solistenriege ab. Echoeffekte durch Umplatzierung im Kirchenraum, Singen aus dem "Off" und das fabelhaft disponierte "Concerto vivo" unter seinem Konzertmeister Thomas Rink legten den schillernden Klangteppich in einer exemplarischen Aufführung.


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