Dialog zwischen Himmel und Erde
(WAZ, 03.12.1998) von DA
Bachensemble zu Gast in der Schinkelkirche
KETTWIG. Mit mehrchörigen Kompositionen aitvenezianischer und
deutscher Meister stimmte das Kettwiger Bach-Ensembie am vergangenen
Sonntag in St. Peter auf die Weihnachtszeit ein.
Prunkvoll aufgefächert stand Giovanni Gabrielis zwölfstimmiges
"Gloria" wie ein Motto am Beginn des Konzertes. Ursprünglich wohl
komponiert für den kuppelreichen Markusdom in Venedig mit seiner eigenwilligen Akustik, erklang das Stück in der Schinkelkirche mit ihrer flachen Decke eher kammermusikalisch und ohne charakteristischen Nachhall.
So offenbarte sich unmittelbar die Struktur des Stückes, die der Chor sowie die Blechbläser unter Leitung von Wolfgang
Kläsener minutiös darlegten. Dies galt auch für Monteverdis ,,Magniflcat" aus der großen Marienvesper, hier mit reduzierter Instrumentierung und Orgelcontinuo dargeboten. Kläsener zeigte sich als souveräner Dirigent, der die breit angelegten Werke wohl zusammenzuhalten wußte und den charakteristischen, manchmal etwas rauhen Klang dieser frühen Musik nicht einem weichgespülten Klangideal opferte.
Auch die Kompositionen von Michael Prätorlus lebten von der Vielgestaltigkeit der instrumentalen Begleitung. Ein schönes Violinsolo im ,,Glory sei Gott" aus der ,,Missa gantz Teudsch" verlieh innigen Charakter, während die exakt und sauber einsetzenden Trompeten und Posaunen für den irdischen Glanz dieses ,,Gesanges der Engel" sorgten.
Im abschließenden ,,Vom Himmel hoch, da komm ich her" bezogen Chor und Instrumentalisten den gesamten Kirchenraum in die Interpretation mit ein. Verteilt auf den Altarraum, eine kleine darüberliegende Empore und die rückwärtige Orgelbühne entstand so eine vielgestaltige Musikinszenierung, die abbildhaft einen Dialog zwischen Himmel und Erde zu symbolisieren schien.
Das Bachensemble und die Instrumentalisten gestalteten ein anspruchsvolles Programm auf hohem musikalischen Niveau und erfreulich unprätentiös. Der Beifall der Zuhörer war
wohlverdient.
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