Aber unbesehen der Hörerfahrung: dieses Konzert war für den ungeübten wie für den erfahrenen Hörer, für den musikalischen Laien wie für den Profi gleichermaßen ein Gewinn. Nasch der Feuerprobe ( einem Andantino von Mozart) zeigte Professor Baumann mit zunehmender Sicherheit und Freiheit, was das Horn als Instrument bietet und wie diese Farben durch Meisterhand und- lippen) scheinbar mühelos entstehen.
So wuchsen bei Körling, Massenet und Strauss Cantilenen von berauschender Schönheit, Melodiebögen, die sich scheinbar selbstverständlich entwickeln, zurückziehen, das Timbre wechseln, aufleuchten und dann wieder mattiert werden. Und immer ist man bewegt von der natürlichen Schönheit des Ausdrucks.Aber die Darbietung erschöpft sich keineswegs im Gefälligen. Gab es bereits bei Massenet dramatische Momente, die die Orgel z.T. dialogisch und mit fast orchestralem Klang unterstützte, so tat sich beim Laudatio - einer gemäßigt-modernen Komposition von Kroll - eine noch breitere Ausdrucksskala auf.
Vom Altar aus solo geblasen konnte man den wiederum ganz neuen Farben, die Baumann dem Instrument entlockte, nur staunend nachhorchen. Und dann vielleicht der Höhepunkt des Abends: Schuberts "Ave Maria" und Saints-Saëns "Der Schwan". Abgegriffene klassische "Evergreens" könnte man denken. Nicht aber wenn sie von einem Meister wie Baumann dargeboten werden. Denn dann wird die Marktkirche beim Ave Maria wahrhaft zum heiligen Ort, die Musiker zu Propheten.Und im zweiten Stück meint man das freie Schwingen des Schwans zu hören, wie er sich fliegend langsam wieder aufs Wasser setzt.
Dabei - ganz unaufdringlich im Hintergrund - das präzise, agogisch geschmeidige und urmusikalische Spiel Wolfgang Kläseners, der zum erfolg dieses Abends im gleichen Maße beigetragen hat. Dies insbesondere auch durch die geschickt platzierten Sätze einer Sonate für Orgel von Mendelssohn, die er vom Seelengemälde in f-moll mit melodiösen Einschüben über ein Lied ohne Worte zu einem leuchtenden Schlußsatz virtuosen Ausmaßes entwickelte. hier wie dor seine Kunst des registrierens, seine Souveränität und seine natürliche Musikalität.
Am Schluß dieses Konzertes für die gute Sache zugunsten der Drogensuchthilfr "Deponie eyckmannshof" schmetterte Baumann eine Fanfare auf dem Naturhorn und entfesselte damit den wohlverdienten Applaus der zahlreich erschienenen Zuhörer. Ich glaube, wir Kettwiger dürfen dankbar sein für diese Musiker, die ihre außergewöhnliche Begabung ohne Allüren, sondern vielmehr mit Liebe und großer Professionalität an uns Kettwiger weiter schenken.