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Jürgen Meyer

Kettwig op der Ruhr


Ein Jud zahlt wie ein Ochs

Die Juden in Vorderbrücke sind ein Kapitel Kettwiger Geschichte. Ein trauriges Kapitel!

Ungefähr Mitte des 18. Jahrhunderts müssen sich die ersten jüdischen Familien auf der anderen Seite des Jordan (der Ruhr) niedergelassen haben. Warum nicht in Kettwig? Die Äbte des Stiftes Werden, zu denen Kettwig ja gehörte, hatten eine Ansiedlung der Christus-Mörder auf Kettwiger Boden nicht zugelassen.

 Denn ein Jude - der zählte für die Äbte nicht mehr als ein Ochs oder ein Esel. Und er hatte zu zahlen wie ein Ochs. Das geht aus der Werdener Fährordnung von 1781 hervor. Auf der sind die Tarife für Mensch, Fuhrwerk, Tier fein säuberlich untereinander aufgeführt:

Ein Fuhrwerk - 2 Stüber
Einer zu Fuß - 1/2 Stüber
Ein Ochs, Kuhe, Esel - 1 Stüber
Ein Jud - 1 Stüber

 1784 war von Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz eine Judenordnung erlassen worden, nach der auch Juden als "Handelsleute" und - viel wichtiger - als Mitmenschen an erkannt wurden. Der Großherzog von Berg hatte da schon der Ansiedlung von Juden in Vorderbrücke zugestimmt, die sich in "minderwertigen Berufen" wie Gerber und Abdecker, vor allem aber als Viehzüchter und Viehhändler ihren Lebensunterhalt verdienen durften.

Von 1786 an benutzten die Berschener Juden den Friedhof am Blomericher Weg im Landsberger Wald, später den am Görtscheiderweg. Damals bestand auch schon der Betsaal der Gemeinde, den später auch die in Kettwig lebenden Juden am Schabbes (Sabbat) aufsuchten. Er befand sich im Hinterhof eines Fachwerkhauses an der Landsberger Straße 22, wurde in der Kristallnacht am 8. November 1938 in Schutt und Asche gelegt. GedenktafelEin Gedenkstein und eine Tafel der Stadt Essen, die hinter Buschwerk kaum zu finden ist, erinnern daran.

 Maßgeblich beteiligt an der Zerstörung der Synagoge waren Schlägertrupps aus Bochum und Velbert, die aber von Kettwigern zum versteckt liegenden Betsaal geführt worden waren. Am Tag nach der Zerstörung mußten die Schüler der "Höheren Stadtschule" aus Propaganda-Grün den einen Ausflug zu den rauchenden Trümmern machen.

Nach der Enteignung ihrer Häuser wurden die Vorderbrücker Juden in einem Sammellager neben der Gaststätte "Ruhrschlößchen" zusammengepfercht, von wo sie in die Konzentrationslager abtransportiert wurden.

Höhepunkt der Unmenschlichkeit auf Kettwiger Boden: Die Eheleute Aaron aus Heiligenhaus wurden 1938 vom "Ruhrschlößchen" - Wirt Matthias Schmalt in der Ruhr treibend aufgefunden - das Paar war zusammengebunden ertränkt worden.

 

INDEX DER KETTWIGER GESCHICHTEN | JÜRGEN MEYER

 


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