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Jürgen Meyer

Kettwig op der Ruhr


Schinkel und die Kettwiger "Akropolis "

 Der preußische Hofbaumeister Karl-Friedrich Schinkel (1771-1841) gilt in der neo-antiken Architektur als bedeutender Künstler, obwohl er nicht unumstritten ist. Denn wie stände er wohl in der Kunstgeschichte da, wenn seine Baupläne, die Akropolis in Athen in ein Königsschloß für den bajuwarisch-griechischen König Otto umzubauen, schändliche Wirklichkeit geworden wären...

 Für Kettwig entwarf Schinkel eine in ihrer Schlichtheit schöne Kirche, die auf einer Anhöhe am Rande der Stadt für die neue Kettwiger katholische Gemeinde gebaut wurde und am 19. Oktober 1830 geweiht werden konnte.

 Vorausgegangen war ein Hickhack um die Baupläne, die von den Düsseldorfer Baumeistern N. von Gloeden und Adolph von Vangedes mehrfach umgearbeitet wurden. Erst die Berliner Kommission unter Hofbaumeister Schinkel bestimmte die endgültige Form. Das heißt, daß der große Schinkel an der Kirche in Kettwig nur korrigierende "Striche" vornahm. Nichtsdestotrotz heißt sie "Schinkel Kirche" - eine ohne Zweifel schöne Seite des Kettwiger StadtbiIdes.

 Über die Lage der zu bauenden neuen Kirche äußerte sich Werdens Landrichter Peter Franz Joseph Müller in ei nem Bericht an die Domänenkammer am 26. September 1804 in den höchsten Tönen: "Das zu erwerbende Grundstück ist vor dem Dorfe Kettwig auf einer, den ent zückendsten Anblick auf die Häuser Landsberg und Hugenpoet, auf bergisch Kettwig, Mintard und die umliegende Flur gewährenden Anhöhe gelegen."

Als am 19. Oktober 1826 der Grundstein gelegt wurde, schwärmte Festredner Müller, inzwischen zum Appelationsrat in Köln ernannt, ebenso begeistert wie weiland vor dem Kauf des Grundstücks: "Der heiterste Himmel bezeugt sein Wohlgefallen. Wir legen den Grundstein auf einer der schönsten Anhöhen dieser von der Natur so mannigfach begabten Gegend, die unwillkürlich zu den erhabendsten Empfindungen hinreißt. Wir legen ihn auf einen geschichtlich merkwürdigen Boden, zwischen den Stamm ländern unserer königlichen Ahnen aus Berg, Cleve und Mark, auf der Grenze zwischen Franken und Sachsen der Vorzeit, auf dem Kampfplatze für und wider das Christentum, auf dem Erbe des Heiligen Ludgerus, des Begründers desselben. "

 Nur einige hundert Meter von der Stelle entfernt, an der die Katholiken 1609 ihre Peterskirche an die Protestanten abtreten mußten, hatten die Katholiken endlich wieder ihr St. Peter in Kettwig.

 Beide Kirchen auf Kettwigs Akropolis (das heißt Oberstadt) werden abends angestrahlt. Schinkels Kirche (rechts) braucht sich dabei hinter der altehrwürdigen Marktkirche nicht zu verstecken!


INDEX DER KETTWIGER GESCHICHTEN | JÜRGEN MEYER


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