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Hugenpoet eine ausgesprochen niederrheinisch-westfälische Wasserburg mit Wassergraben, Vorburg und Brücken. Auch sie kann auf eine über 1000jährige Geschichte voller Kriegsläuften, Brandschatzungen, Zerstörung und Wiederaufbau zurückblicken.

778 als Königsgut Karls des Großen zuerst erwähnt, wurden die Ritter von Nesselrode im 13. Jahrhundert von der Abtei Werden mit dem Gut belehnt. Die Herren von Nesselrode begnügten sich nicht damit, ihre Äcker bestellen zu lassen. Es waren recht streitbare Herren, die nach heftiger Fehde die Stadt Duisburg nötigten, mit ihnen einen Vertrag zu schließen, zum Schutze der Duisburger, und sich hierbei Mannsgeld zahlen ließen. Das war im 13. und 14. Jahrhundert.

Die Herren Kaufleute, die hier mit ihren Wagenzügen vorbeizogen, mussten, freiwillig gezwungen, Wegegeld entrichten.

Selbst an die Tore der Stadt Köln heftete Reynkin Vamme Hugenpoit seinen Fehdebrief. Kein Wunder, dass die Burg wiederholt berannt wurde.

In der Fehde des Herzogs von Kleve gegen Geldern war Johann von Hugenpoet wieder mit dabei. Aber es erging ihm schlecht. Das Burghaus Hugenpoet wurde gestürmt, der rote Hahn flatterte auf und fast die ganze Burg brannte aus. Es war das Jahr 1478. Die Ruinen waren 1756 noch sichtbar.

Die Herren von Nesselrode bauten an diesem Platz nicht wieder auf. Einen Büchsenschuss ruhraufwärts entstand 1500 ein neuer Bau, der Grundstock des heutigen Schlosses. 1647, also im Ausgang des 30jährigen Krieges, erbaute Johann Wilhelm von Nesselrode-Hugenpoet einen großen Neubau, nachdem die Hessen 1633 das Schloss stark verwüstet hatten. Dieser Neubau erfuhr im 19. Jahrhundert eine umfassende Wiederherstellung.

Die Freiherren von Fürstenberg-Borbeck waren Besitzer geworden. Das Geschlecht von Fürstenberg gehört zu den ältesten westfälischen Adelsfamilien. Seinen Namen entleht es Schloss Fürstenberg, wo sich im Jahr 1219 Hermann von Fürstenberg urkundlich nachweisen lässt, der als der Stammvater aller Fürstenbergs gilt. Seit dem 26. April 1660 reichsfreiherrlich, verteilt sich das Geschlecht in verschiedene freiherrliche und zwei gräfliche Linien. Das Schloss erstand in seiner jetzigen Schönheit, mit seinen die Landschaft weithin beherrschenden barocken Türmen, gekrönt von Laternen und Helmen und mit dieser schönen wappengezierten Fassade des Herrenhauses.

Das 20. Jahrhundert mit seinen Umstülpungen in Besitz und Vermögen griff auch den Herrensitz Hugenpoet an. Die Baronie, der Grundbesitz blieb, das Schloss, ein ausgesprochener Herrensitz, voll Ausdruck und Kultur, wurde Hotel und eine kultivierte Gaststätte. Damit öffnete es seine Pforten den ausspannung- und erholungsuchenden Großstädtern, den Männern von Großindustrie, von Kohle und Eisen, zur gemütvollen Geselligkeit und Beratung.

So wollen auch wir eintreten in dieses Märchenschloss, nachdem wir uns von seiner Geschichte haben erzählen lassen. Bezeichnend ist, dass im und nach dem letzten Weltkrieg das Essener Folkwang-Museum nach hier verlagert war und mehr Besucher fand, als es in Essen gehabt. Der Rahmen tatīs.

Über den Wassergraben mit Zugbrücke betreten wir die Vorburg. In den Seitenwänden des Ganges zum inneren Schlosshof sind Kaminplatten in Eisenguss, mit beachtenswerten Reliefs, eingelassen. Wir stehen im Schlosshof und lassen uns erfassen von diesem in sich geschlossenen Bild. Ausdruck einer versunkenen Zeit. Die Frant des Herrenhauses mit ihren flankierenden Türmen beherrscht den Raum. In der Mitte einladend das Portal mit den darüber befindlichen Wappen der Fürstenbergs.

Auf diesem Schlosshof über dem Wassergraben an einem schönen Sommerabend einem stimmungsvollen Konzert zu lauschen, ist Erlebnis.

Die Brücke führt über den Wassergraben in die Eingangshalle. In dieser, von Bildwerken und Ahnengalerie geschmückten Halle überrascht ein imposantes Treppenhaus aus schwarzem Marmor, mit freistehendem Portal und Marmorbalustrade. Säulen und Wandsäulen tragen den Aufbau, den noch ein kunstvolles Gitter ziert. Diese etwas fremd anmutende Marmorpracht stammt, aus den früheren Kalksteinbrüchen bei Ratingen. Eine schwarze Marmorader habe sich im Kalk gefunden. Der Besitzer des Bruches schenkte den Steinden Herren von Nesselrode, die dieses festliche Bauwerk 1696 ausführen ließen. So die Fama.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Vorhalle steht der erste der berühmten Kamine des steinernen Wunders von Horst. Die Holzscheite knattern und knistern in der Feuerung an kühlen Tagen und Abenden und zaubern dem Träumenden die Geister des Schlosses herbei.

Quelle: Burgen und Schlösser in Kettwig an der Ruhr; Verlag F. Flothmann KG., Kettwig



Schloss Hugenpoet 1902
Postkarte mit Ansicht von Schloss Hugenpoet von 1902.
Blick von der Zufahrt zum Schloss.


Schloss Hugenpoet 1908
Postkarte vom Schloss Hugenpoet um 1908.


Schloss Hugenpoet 1910
Schloss Hugenpoet auf einer Pk von 1910.
Rechts, Zufahrt und Tor der Vorburg.


Schloss Hugenpoet 1955
Eine Ansicht des Schlosses von 1955, hier war es schon ein Hotel.
Archiv:H.-J.Storch


Schloss Hugenpoet 1968
Auf dieser Postkarte von 1968 sieht man die Gartenterasse und den Park
des Schlosshotel Hugenpoet.



Am 27.05.1967 verstarb hier auf Schloss Hugenpoet der berühmte Bühnen- und Filmschauspieler
Paul Henckels im alter von 81 Jahren.

Paul Henckels
Hier eine Autogrammkarte des Künstlers.


Diese Reihe wird fortgesetzt. Ich freue mich auf den nächsten Besuch.

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von Hans-Jürgen Storch
Letzte Aktualisierung 09.10.2005